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Bundesumweltamt

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Bundesumweltamt
Agency nameBundesumweltamt
Native nameUmweltbundesamt
Formed1974
JurisdictionFederal Republic of Germany
HeadquartersDessau-Roßlau
ChiefPräsidentin/Präsident

Bundesumweltamt. Das Bundesumweltamt ist die zentrale Fachbehörde der Bundesrepublik Deutschland für Umweltfragen mit Sitz in Dessau-Roßlau. Es berät politische Institutionen wie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, unterstützt Rechtsetzung wie das Bundes-Immissionsschutzgesetz und betreibt Monitoring, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit in Bereichen, die vom Klimaschutz über Umweltmedizin bis zur Abfallwirtschaft reichen. Die Behörde arbeitet eng mit nationalen und internationalen Partnern wie der Europäischen Kommission, der UNEP und der Weltgesundheitsorganisation zusammen.

Geschichte

Die Gründung 1974 erfolgte vor dem Hintergrund internationaler Entwicklungen wie der Stockholm-Konferenz 1972 und nationaler Initiativen nach Ereignissen wie dem Tschernobyl-Unfall 1986, die Umweltpolitik und -verwaltung prägten. In den 1980er und 1990er Jahren beeinflussten Entscheidungen des Bundestag und Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft die Ausweitung der Aufgaben, etwa im Bereich Chemikaliensicherheit nach dem REACH-Regelwerk. Die Wiedervereinigung Deutschlands und die Standortwahl Dessau-Roßlau setzte die Behörde in Verbindung mit Projekten wie dem Bauhaus-Erbe und regionaler Strukturpolitik. Bedeutende Reformen folgten im Kontext von Gesetzesinitiativen wie dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und internationalen Verträgen wie dem Kyoto-Protokoll und dem Pariser Abkommen.

Aufgaben und Zuständigkeiten

Das Amt fungiert als wissenschaftliche und fachliche Beratungsinstanz für das Bundesministerium der Finanzen-verbundene Haushaltsplanungen, die Umsetzung von Vorschriften des Europäischen Gerichtshofs und die Einhaltung völkerrechtlicher Abkommen. Hauptaufgaben sind die Erstellung von Gutachten für den Bundesrat, die Entwicklung von Richtlinien zur Luftreinhaltung nach Vorgaben des Europäischen Parlaments, die Bewertung von Chemikalien im Kontext von REACH und die Erstellung von Risikobewertungen für den Internationale Atomenergie-Organisation-relevanten Strahlenschutz. Zudem koordiniert es Maßnahmen zur Umsetzung von Urteilen des Bundesverfassungsgericht und unterstützt Programme der KfW im Bereich Umweltförderung.

Organisation und Struktur

Die Behörde ist gegliedert in Fachabteilungen, Referate und Dezernate mit Leitung durch eine Präsidentin oder einen Präsidenten, die dem jeweils zuständigen Ministerium zuarbeiten. Organisatorische Einheiten sind für Themen wie Immissionsschutz, Wasser, Boden, Gesundheitsschutz, Produkte und Chemikalien sowie internationale Zusammenarbeit zuständig. Die Struktur orientiert sich an Vorbildern wie dem Umweltbundesamt Österreich und der United States Environmental Protection Agency, wobei Fachverwaltungen, Labore und Datenzentren kooperieren. Regionalbüros und Außenstellen pflegen Kontakte zu Landesbehörden des Bundesländer-Netzwerks und zu Forschungseinrichtungen wie dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Arbeitsbereiche und Programme

Arbeitsbereiche umfassen Luftqualität und Klimaschutz, Wasser- und Bodenschutz, Abfall- und Kreislaufwirtschaft, Produkt- und Chemikaliensicherheit, Umwelthygiene und Umweltmedizin sowie Umweltinformation und Bildung. Programme reichen von nationalen Maßnahmen zur Einhaltung der EU-Luftqualitätsrichtlinie über Förderinitiativen im Rahmen des Nationale Klimaschutzinitiative bis hin zu Bildungsprojekten, die mit Institutionen wie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit vernetzt sind. Spezifische Projekte adressieren Emissionen im Verkehr nach Vorgaben des Weltklimarat-Berichts sowie gesundheitsbezogene Fragen im Kontext der WHO Air Quality Guidelines.

Forschung und Monitoring

Das Amt betreibt umfangreiches Monitoring und Forschung zu Indikatoren, die in Berichten an das Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services und an die UNFCCC verwendet werden. Monitoring-Netze erfassen Luftschadstoffe, Treibhausgase, Wasserqualität und radioaktive Belastungen; hierfür kooperiert die Behörde mit Laboren am Max-Planck-Institut für Chemie, dem Fraunhofer-Institut und universitären Einrichtungen wie der Technischen Universität Berlin. Forschungsschwerpunkte sind Schadstoffwirkung, Ökotoxikologie, Umwelt-Epidemiologie und Folgenabschätzung von Klimarisiken, in Austausch mit Programmen des European Environment Agency und der OECD.

Zusammenarbeit und internationale Rolle

National kooperiert die Behörde mit Landesbehörden, Kommunen, Forschungseinrichtungen und Verbänden wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. International ist sie aktiv in EU-Gremien, multilateralen Abkommen wie der Basler Konvention und im internationalen Datenaustausch mit Organisationen wie der International Maritime Organization und der UNESCO. Sie beteiligt sich an Verhandlungen zu Emissionsminderungszielen im Rahmen der UNFCCC und liefert Fachinput für Gutachten des Intergovernmental Panel on Climate Change. Bilaterale Kooperationen bestehen mit Umweltbehörden in Ländern wie Frankreich, den USA, China und Südafrika.

Kritik und Kontroversen

Kritik richtet sich gelegentlich auf Transparenz, Prioritätensetzung und Ressourcenallokation, etwa in Debatten um Zulassungsverfahren für Pestizide, nach Vorgaben des Bundesinstitut für Risikobewertung-Gegenüberprüfungen, oder die Bewertung von Glyphosat-Studien. Umweltverbände wie Greenpeace und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland haben die Behörde teils für vermeintlich zu vorsichtige Einschätzungen kritisiert; Industrieverbände werfen ihr bisweilen Überregulierung vor. Kontroversen entstanden auch bei der Umsetzung von EU-Rechtsakten und bei der Veröffentlichung von Risikoabschätzungen, die Gerichtsverfahren bis vor das Bundesverwaltungsgericht nach sich ziehen konnten.

Category:German federal agencies