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Allgemeine Deutsche Biographie

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Article Genealogy
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Allgemeine Deutsche Biographie
TitleAllgemeine Deutsche Biographie
LanguageDeutsch
CountryDeutsches Reich
DisciplineBiographie
PublicationHistorisch-biographische Lexikon
First1875
Last1912
Volumes56
PublisherHistorischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Allgemeine Deutsche Biographie Die Allgemeine Deutsche Biographie ist ein historisch-biographisches Lexikon des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, das 1875–1912 in 56 Bänden erschien. Das Werk versammelt umfangreiche Lebensbeschreibungen zu Persönlichkeiten aus dem deutschsprachigen Raum und darüber hinaus, darunter Fürsten, Gelehrte, Künstler, Militärs, Politiker und Theologen, und gilt als grundlegende Quelle zur Erforschung von Persönlichkeiten wie Otto von Bismarck, Johann Wolfgang von Goethe, Immanuel Kant, Friedrich II., Ludwig van Beethoven und Martin Luther. Das Lexikon verbindet biographische Information mit literaturkritischer, diplomatischer und historiographischer Erörterung und wurde maßgeblich von wissenschaftlichen Institutionen getragen wie der Bayerische Akademie der Wissenschaften.

Geschichte

Die Entstehung der Enzyklopädie knüpft an institutionelle Initiativen des 19. Jahrhunderts wie die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und die wissenschaftliche Arbeit an Instituten wie der Preußische Akademie der Wissenschaften und der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Gegründet im Kontext politischer Umbrüche nach dem Deutsch-Französischer Krieg und der Gründung des Deutschen Kaiserreiches, spiegeln die Bände nationale Biographieforschung, die auch Professoren wie Leopold von Ranke und Herausgeber wie Adolph von Menzel beeinflussten. Die Redaktion reagierte auf zeitgenössische Debatten über historische Methode, die in Kontroversen um Persönlichkeiten wie Karl Marx, Friedrich Engels und Wilhelm von Humboldt sichtbar wurden, und kooperierte mit Bibliotheken, Archiven und Universitätsprofessoren in Städten wie München, Berlin, Leipzig und Wien.

Umfang und Struktur

Das Werk umfasst 56 Bände, alphabetisch geordnet, mit Einträgen von der Antike bis zur Gegenwart des Erscheinens; repräsentative Einträge behandeln Gestalten wie Augustus, Heinrich Heine, Alexander von Humboldt, Georg Friedrich Händel und Thomas Mann. Jeder Eintrag bietet biographische Angaben, Schriftenverzeichnisse, Zitate aus Primärquellen und literaturwissenschaftliche Würdigungen; Ergänzungen enthalten Fußnoten, Editionsangaben und Quellennachweise. Systematisch sind Register, Querverweise und Appendices für Territorialnamen und Amtsbezeichnungen vorhanden, die für Forschungen zu Institutionen wie der Habsburgermonarchie, dem Kurfürstentum Sachsen oder dem Königreich Bayern relevant sind. Der Stil variiert zwischen knapper Lebensskizze und ausführlicher Monographie, etwa bei Militärpersonen wie Gebhard Leberecht von Blücher oder Gelehrten wie Gottfried Wilhelm Leibniz.

Redaktion und Herausgeber

Die Redaktion setzte sich aus Historikern, Philologen und Archivalienkennern zusammen; zentrale Herausgeber und Mitarbeiter stammten aus akademischen Zentren wie der Universität München, der Universität Leipzig und der Universität Göttingen. Prägende Namen im Herausgeberkreis und der Begutachtung waren unter anderem Wissenschaftler, Bibliothekare und Archivare, die in Verbindung standen mit Institutionen wie der Bayerischen Staatsbibliothek und dem Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. Die redaktionelle Praxis folgte zeittypischen Standards der Quellenkritik, wie sie auch bei Historikern wie Theodor Mommsen und Wilhelm von Giesebrecht diskutiert wurden. Korrekturzyklen und Autorenauswahl reflektierten akademische Netzwerke, darunter Beiträge von Fachvertretern für Musikgeschichte, Rechtsgeschichte und Kirchengeschichte, die Namen wie Friedrich Schleiermacher, Carl von Savigny oder Franz Liszt berührten.

Beiträge und Biographien

Die Biographien decken ein breites Spektrum ab: Staatsmänner wie Friedrich Wilhelm III., Wissenschaftler wie Robert Koch, Künstler wie Caspar David Friedrich, Komponisten wie Richard Wagner, Naturforscher wie Alexander von Humboldt und Theologen wie Friedrich Schleiermacher. Zahlreiche Porträts zu weniger bekannten oder regional bedeutsamen Persönlichkeiten wurden erstmals wissenschaftlich gewürdigt, wodurch Archive und Archivare in Regionen wie Schlesien, Pommern, Bayern oder Sachsen in den wissenschaftlichen Diskurs gelangten. Autorinnen und Autoren der Artikel reichten von etablierten Professoren bis zu Archivaren und Bibliothekaren; einige Beiträge begründeten Forschungstraditionen in historischen Disziplinen und wurden wiederholt zitiert in Monographien, Editionsreihen und Nachschlagewerken über Persönlichkeiten wie Johann Sebastian Bach oder Friedrich Schiller.

Wirkung und Rezeption

Das Lexikon wurde in akademischen Zirkeln, Bibliotheken und bei Historikern rasch als Referenzwerk anerkannt und beeinflusste Biographieforschung in Institutionen wie der Deutschen Akademie der Wissenschaften und regionalen historischen Kommissionen. Kritiker wiesen auf nationale Perspektiven und Auswahlkriterien hin, die Debatten über Kanonbildung anstießen, etwa in Auseinandersetzungen um Persönlichkeiten wie Ludwig II. oder Bismarck-Interpretationen. Spätere Historiker wie Gustav Schmoller oder Max Weber nutzten das Werk als Ausgangspunkt für methodische Diskussionen; die Rezeption reichte in Fachgebiete wie Rechtsgeschichte, Musikwissenschaft und Theologie und beeinflusste Editionen, Lexika sowie regionale Studien.

Nachfolgewerke und Fortsetzungen

Als digitales und gedrucktes Nachfolgeformat gelten Projekte wie die Neue Deutsche Biographie, die institutionell an die Tradition anknüpft, sowie weitere Lexika und biographische Reihen in Universitätsverlagen. Archive, Bibliotheken und akademische Kommissionen übernahmen redaktionelle Modelle und erstellten Speziallexika zu Themen wie Naturwissenschaften, Kirchengeschichte und Regionalgeschichte, die Personenverzeichnisse zu Namen wie Wilhelm Conrad Röntgen, Ernst Haeckel oder Clara Schumann erweiterten. Die Editionspraxis wurde fortgeführt in historischen Nachschlagewerken, Online-Datenbanken und retrospektiven Bibliographien, die den Zugang zu Primärquellen, Handschriften und Nachlässen vereinfachen und das Erbe des Werkes in der modernen Personengeschichte fortschreiben.

Category:Biographische Nachschlagewerke